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03.12.2021 Standpunkte

Hier habe ich noch eine große und tolle Familie gefunden

Seit dem 30. Oktober 2021 wohne ich im Eduard Knoll Wohnzentrum (EKWZ). Mit meinem Bericht möchte ich anderen Mut machen, ihr Schicksal wieder selber zu gestalten.

Bis 2016 war mein Leben ganz anders. Dann, nach einem schweren Autounfall war nichts mehr wie vorher. Zuerst lag ich mehrere Wochen in Mannheim in der Uniklinik und hatte dort schwierige Operationen und auch sehr viele Komplikationen durchzustehen.

Mir war relativ schnell klar, dass ich nicht mehr in meiner gewohnten Umgebung leben konnte. Es war für mich sehr schwierig, alles zu verarbeiten. Eine große Hilfe war und ist für mich aber, dass ich eine so gute Familie um mich habe, mit einem tollen Zusammenhalt.

Dann kam ein weiterer sehr schwieriger Schritt, als ich mich von meinem Haus verabschieden musste. Aus dieser Zeit sind mir nur noch einige Andenken, wie z.B. Fotoalben, geblieben.

In dieser Zeit lebte ich schon in einer Einrichtung, hatte dort aber ein sehr gutes Verhältnis zum Personal. Sie waren es auch, die mich motivierten, mein Lauftraining im Gehrollator regelmäßig zu machen. Mein Ziel war es nämlich, wieder auf die Beine zu kommen. Das habe ich tatsächlich geschafft. Auch zu Bewohnern der Umgebung hatte ich viele Kontakte aufgebaut, konnte dadurch viele Gespräche führen und hatte auch oft Besuch. Außerdem  habe ich mir in der Einrichtung kleine Aufgaben gesucht, denn ich habe schon immer gerne anderen geholfen und wollte nicht nur herumsitzen. Eine besondere Freude war es für mich, mit einem Bekannten oder meiner Schwester in Asssamstadt in ein Erzählcafe zu gehen. Außerdem bin ich Mitglied im Theaterverein, da versäume ich nach Möglichkeit keine Veranstaltung.

Trotzdem hat mir der Kontakt zu jüngeren Leuten gefehlt, weshalb mir Bekannte das EKWZ empfohlen haben.

Eigentlich hatte ich erst mal einen Termin zum Probewohnen. Aber als ich mit meiner Schwester hier reinkam und im Foyer die Anschläge gesehen habe, was hier alles gemacht wird, war mir klar, „hier bleibe ich“.

Schon innerhalb einer Woche hatte ich das Gefühl, mich eingelebt zu haben, hier angekommen zu sein: „Es ist einfach super, für mich könnte es nicht besser sein“.

An meinem Zimmer gefällt mir, dass es größer ist als ich es eigentlich erwartet habe. Ich habe viel Platz, auch um meine ganzen Bastelutensilien für mein ganz spezielles Hobby unterzubringen. Über meine Schwester bin ich 2017 dazugekommen, weil sie mir vorschlug, Schlüsselanhänger zu fertigen. Danach habe ich Weihnachtssterne aus Perlen gemacht und bin schließlich bei der Glasmosaiktechnik gelandet. Mich hat diese Technik besonders wegen der verschiedenen Steine, den verschiedenen Farben und Formen phasziniert. Bis heute arbeite ich immer noch an dieser Technik weiter, oft kommen mir die besten Ideen in der Nacht.

Und weil ich anderen gerne helfe, kam ich auf die Idee, Mitbewohner zu motivieren und an meinem Hobby teilhaben zu lassen. Es macht mir Freude, wenn sie zu mir kommen und ich sie anleiten kann, oder wenn ich sehe, wie sie selber etwas Neues ausprobieren und sich ganz in ihre Arbeit vertiefen. Die Arbeit mit den unterschiedlichen Steinen ist wie eine Bewegungs-Therapie für die Finger. Oft unterhalten wir uns bei der Arbeit  über alle möglichen Themen, auch das ist für mich eine große Bereicherung.

Hier habe ich noch eine große und tolle Familie gefunden.


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1 Kommentare

jutta zitzwitz schrieb am 06.12.2021 - 16:24 Uhr

toller Bericht , mach weiter so .


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