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22.11.2011 Standpunkte

Das Kurzzeit-Leben im Heim

"Das Leben im Heim ist anders, als das Leben draußen. Wenn du im Heim bist, bist du drin, praktisch weg vom Fenster, draußen aus der Welt….“

… so beginnt der Blog, den wir auf der Seite eines Gastes, der in unserem Haus einige Zeit zur Kurzzeitpflege war, gefunden haben.

Mit seiner Erlaubnis hier der link zur Seite… http://die-blaue-blume-finden.blogspot.com/

Und jetzt freuen wir uns auf viele hinzugefügte Kommentare auf dieser Seite unten

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3 Kommentare

Georg Kleiner schrieb am 24.11.2011 - 12:47 Uhr

Hindernisse und Behinderungen zu ver-wenden, um ihren Sinn zu finden ist etwas ganz anderes als zufällige, günstige Gelegenheiten zu nutzen! Geschicklichkeit reicht da nicht. Zum Ausschöpfen von Hindernissen bedarf es Mut und mutig ist dieser Text. Obwohl der Beitrag das Leben aus der Sicht eines Menschen mit Körperbehinderung thematisiert, wirkt er ungemein belebend. Ein philosophisch tiefgründiger Text!


Andrea Jacob schrieb am 29.11.2011 - 11:17 Uhr

Das Leben in einer Einrichtung ist ganz anders als daheim. Dies war mir aber bewusst, als ich vor vier Jahren ins Wohnzentrum gezogen bin. Man kommt in viele Strukturen hinein, die auf den ersten Blick ungewohnt und für einen selbst schwer nachvollziehbar sind. Dann muss man sich eben mit den betreffenden Personen darüber unterhalten und für sich die beste Möglichkeit suchen.
Der Text von unserem Gast regt zum Nachdenken und Diskutieren an.
Ich wünsche mir, dass noch viele Beiträge zu diesem Thema geschrieben werden und viel zum Wohl der Bewohner getan werden sowie dass die Kostenschraube nicht all zu sehr angezogen wird.


Anonumus schrieb am 29.11.2011 - 12:18 Uhr

Hallo,
ich werde mich Anonymus nennen,da man zwar in diesem unsrem Land das Recht auf freie Meinungsäusserung hat,sich aber damit nicht immer einen Gefallen tut.Ich habe den Artikel von Klärus mehrmals gelesen und bin der Meinung,das auch die andere Seit der Medailie beleuchtet werden muß,um ein Gesamtbild zu erhalten.Klärus beklagt die Zustände,was aber zu einem nicht unerheblichen Teil auch eine Kostenfrage ist.Auf die hat keine Pflegekraft Einfluß.Es wird vom zu pflegendem und teilweise auch seinen Angehöringen nur der teure Pflegeplatz gesehn.Ich versuch mal aufzulisten,was aber alles dran hängt:
-24 Stunden Rundumbetreung durch Pflegepersonal
-tägl. mindestens 3x was zu essen,wobei es nicht nur mit der Zubereitung getan ist
-ein sauberes Haus und saubere Zimmer
-immer frischgewaschene Wäsche im Schrank
-Hausmeister,die alles wieder richten,was gerade nicht geht
-ein Ergo-Team,was für Unterhaltung und Abwechslung sorgt,(sonst wären wir ja wie eine Verwahranstalt)
-eine Verwaltung mit den unterschiedlichsten Aufgaben für,s Haus und seine Bewohner betraut ist
-einen Fahrdienst,sonst käme manch ein Bewohner nicht mal zum Zahnarzt oder zu seiner Familie zu Besuch
DAS ALLES KOSTET GELD
sollte ich einen Bereich vergessen so ist das keine Absicht.Jeder kann ja einen Kommentar dazu abgeben.Jetzt möchte ich mal eine Tagschicht des Pflegepersonals Revue passieren lassen.Denn dieses besteht nicht nur,wie von Klärus beschrieben,aus rauchenden unmotivierten Menschen.
Der Dienst beginnt morgens 5.50,aber jeder ist ein paar Minuten eher da.Der Nachtdienst berichtet,wie die Nacht war.Heute war Vollmond und die Bewohner waren sehr unruhig und haben schlecht geschlafen.
6.00 mache ich mich auf den Weg zum ersten Bewohner,aber ein klingeln,der Schwesternruf lenkt meinen Weg in die entgegengesetzte Richtung.Der Bewohner hat schlecht geschlafen,jetzt möchte er nochmal was trinken und aufstehn.Ich reiche ihm was zu trinken an,und erkläre ihm,das es zum aufstehen noch zu früh ist.Da ist das klingeln schon wieder,der eigentlich erste Bewohner meldet sich.Ich bin schon auf dem Weg zu ihm,es ist 6 Minuten nach 6.Als ich das Zimmer betrete, werde ich mit den Worten begrüßt"ICH DACHTE DU HAST MICH VERGESSEN", als ich fragte wie oft er denn schon vergessen worden sei,bekam ich keine Antwort,das kann Dank der Klingel sowieso nicht passieren.Der nächste Bewohner empfängt mich viel freundlicher,auf mein GUTEN MORGEN erwidert er"SCHÖN DAS DU WIEDER BIST" Da ist die Laune auf beiden Seiten gleich viel besser und man kann sogar schon am frühen Morgen seinen Spass machen.Da ist das klingeln wieder, der Bewohner mit dem schlechten Schlaf hat jetzt, wo es hell wird noch mal die Frage ,wann er aufstehn darf,ich erkläre ihm,das erst noch ein anderer auf die Toilette gesetzt werden muß,dann komme ich.Also auf zum dritten Bewohner des Morgens.Leider zu spät,sein Darm hat sich nicht an meinen Zeitplan gehalten.Also muß ich erst mal putzen und waschen,ehe ich ihn auf die Toilette setzen kann.Das Bett ist auch verschmutzt,das muß ich gleich frisch beziehen,da ich den Bewohner nach dem duschen nochmal reinlegen muß,um ihn anzuziehen.Das bringt meinen ganzen Zeitplan durcheinander.Als ich dann endlich meine Bewohner aus dem Bett habe,bis auf den letzten,hat dieser Fingernägel,die dringendst geschnitten gehören.Das gibt nochmal einen Akt,denn der Bewohner mag das Nägel schneiden garnicht.Ich muß viel auf ihn einreden,damit ich überhaupt anfangen darf.Nach 2 Nägeln ist seine Geduld am Ende.Er versucht nach mir zu schlagen und zu treten.Dann war,s das erst mal für heute,versuch ich morgen wieder mein Glück,es ist ja erst Montag.
Die Bewohner sind jetzt erst mal versorgt,ich habe sie zur Ergo zum geinsamen Frühstück gebracht.Was eine feine Sache ist,für beide Seiten.Denn nach den Bewohnern sind die Zimmer dran,auch die wollen aufgeräumt sein.Da wäre noch das ein oder andere Bett zu beziehn,also brauche ich frische Bettwäsche.Der Schrank ist leer,also ab in die Waschküche und frische Wäsche holen und den Schrank befüllen.Die Bewohnerwäsche ist auch aus der Wäscherei zurück und muß in den Zimmern verteilt werden.Also schnappe ich mir beide Wägen mit der Wäsche und bringe sie nach oben.Als meine Zimmer dann endlich in Ordnung sind,wäre es an der Zeit,mal was zu essen,es ist 10.00 Ich setze mich hin und beisse genüsslich in mein Frühstück.Und da ist es wieder,dieses klingeln.Natürlich sind die Bewohner mit ihrem Frühstück schon fertig,jetzt müssen sie zur Toilette, brauchen Tee eingeschenkt,oder der Rollladen im Zimmer ist runtergegangen,weil ein Sonnenstrahl draufgefallen ist, das ist der Segen der Technik.Ruckzuck sind 10 Minuten weg.2. Versuch mein Frühstück zu essen,diesmal hat,s geklappt.Jetzt muß noch die ganze Dokumentation geschrieben werden,Ordnung muß sein,da ist der MKD unerbittlich.Aber der PC mag mich nicht und streikt,er muß erst regeneriert werden.Das dauert wieder ein paar Minuten.Aber die Zeit vergeht nicht ungenutzt,es gibt ja noch was zu putzen und Inkontinensmaterial aufzufüllen auf Station.Wenn der Schreibkram dann endlich erledigt ist,o je die Uhr zeigt 11.10,gehe ich meine Bewohner in der Ergo wieder einsammeln,da sich ein großer Teil nicht selbst fortbewegen kann.Es gibt Mittagessen,welchen aber vorher auch geholt werden will.Ich selbst gehöre,wie von Klärus beschrieben zum Typ STEHFÜTTERER.Weil die Personaldecke es nicht hergibt,das ich nur einen Bewohner das Essen reiche,sondern auch noch der DOPPELFÜTTERER bin.Was ich jedoch wesentlich menschlicher finde,als wenn der zweite 20 Minuten oder noch länger zusehen müßte,bis der erste endlich fertig ist.Auch wäre die Nacheinanderanreichung der Mahlzeiten nicht mit meiner Arbeitszeit vereinbar.Wo wir wieder beim lieben Geld wären.Auch läßt es sich technisch bei dem ein oder anderen nicht machen,das man sich hinsetzen kann.Nach dem Essen möchte sich ein großer Teil der Bewohner etwas hinlegen,was mit ihrem Alter oder der körperlichen Verfassung zu tun hat.Manch einer mag sich aber auch nur hinlegen,weil in dieser Zeit gerade nichts in der Ergo geboten wird und er nicht weiß,was er machen soll.Aber pünktlich um 14.00 weiß er genau,was er machen soll,nämlich klingeln und kundtun,der er jetzt aufstehn möchte.
Das war ein ganz normaler Wochenvormittag und wer glaubt das es an den Wochenden oder Feiertagen gemütlicher zugeht,der irrt.Da ist oft eine Pflegekraft weniger da Und den Frühstücksservice der Ergo gibt es leider auch nicht.
Es ist auch egal,ob eine Pflegekraft 3 Tage oder 3 Monate krank ist,ihr Ausfall muß von den anderen ausgeglichen werden,man kann schließlich keinen Bewohner für diese Zeit unversorgt lassen.So meine Schicht ist rum,ich überlege mal,wie viele Zigarettenpausen ich gemacht habe,KEINE ich bin nämlich NICHTRAUCER diese gibt es eben auch in unserem Haus.
Ich bitte zum Abschluß die Leser sich den Kommentar"DICH ZWINGT JA KEINER HIER ZU ARBEITEN" zu verkneifen,denn trotz allem mache ich meine Arbeit gern und Geld muß ich auch ein bißchen verdienen um nicht unter einer Brücke wohnen zu müssen.Jetzt hoffe ich,das rege diskutiert wird,nachdem 2 Sichtweisen beleuchtet sind.


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