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24.12.2008

Eduard Knoll Wohnzentrum leert sich

Das Wetter würde besser zu einem grauen Novembertag passen. Die Tropfen des Nieselregens werden von Windböen durch die Straßen getrieben und stechen wie kalte Nadeln ins Gesicht. Auch die Jagst gebärdet sich ungemütlich. An manchen Stellen ist sie über die Ufer getreten. Weihnachtsstimmung, so scheint es, möchte bei diesem Wetter nicht aufkommen. Oder doch?

Bei Heidrun Kappes im alten Bahnhof von Krautheim geht es behaglich zu. „Ich habe alle Plätzchen selber gemacht, mindestens 20 Sorten“, erzählt die Wirtin von „Heidis Station“ nicht ohne Stolz. Sie zählt auf: Zimtsterne, Springerle, Kokosflocken und Vanillekipferl gibt es ebenso wie ein eigenes Marzipan-Gebäck, verrät Heidrun Kappes. Doch sie spürt, dass die Urlaubs- und Ferienzeit begonnen hat. Es ist ruhiger geworden. Sonst sind Schulkinder und Mitarbeiter der nahen Betriebe ihre besten Kunden.

Oben auf dem Berg, nahe bei der Burg, gibt es noch jede Menge zu tun. Otto Knörzer ist Führer des Polizeipostens Krautheim. Von vorweihnachtlicher Ruhe war in den zurückliegenden Tagen noch nicht viel zu spüren. In Klepsau gab es nach einer Party Probleme. Dort gingen einige Spiegel und Scheibenwischer von Autos zu Bruch. „Vandalismus“, bilanziert der 42-jährige Hauptkommissar. In Dörzbach wurde am Wochenende ein Verkehrszeichen gestohlen.

Auch der Tritt gegen ein Auto mit anschließender Schlägerei sorgte in Dörzbach für Ärger. „Oft muss man Nachermittlungen machen“, beurteilt Otto Knörzer solche Fälle. „Das muss man nach dem Wochenende alles aufarbeiten“, beschreibt er die tägliche Routine.

Eine kleine Kerze brennt auf dem Tisch, an dem die Polizeibeamten gerade noch ein Vesper zu sich genommen haben. „Man freut sich schon auf die Weihnachtszeit“, sagt der Polizeipostenführer. Der Umgang der Menschen mit der Polizei sei freundlicher. Mancher Anrufer verabschiedet sich mit besten Wünschen für die Weihnachtszeit. Das ist doch schon mal was. Und auch sonst: Die Stimmung auf dem Posten sei gut. „Wir vertragen uns.“ Dies sei wichtig in dem kleinen Team von fünf Beamten. Zeit der Besinnung, das heißt aber auch, Zeit für grundsätzliche Gedanken. „Was mir zu denken gibt, ist die augenblickliche politische Entwicklung, dass die Personaldecke immer mehr abschmilzt“, zeigt sich Knörzer besorgt. „Es kommen immer weniger junge Beamte nach.“

Zurück in Krautheim-Tal. Ein Weihnachtsbaum mit roten Kugeln schmückt den Eingangsbereich des Eduard-Knoll-Wohnzentrums. „Den Höhepunkt der Vorweihnachtszeit haben wir schon hinter uns: Die Weihnachtsfeier am 12. Dezember“, sagt Norman Weyrosta, Geschäftsführer der Einrichtung. „Das Gefühl der Weihnachtszeit stellt sich am Tag der Weihnachtsfeier ein.“ Eine familiäre Stimmung entsteht, freut sich der 52-Jährige. Bewohner Steffen Vetter hat eigene Gedichte vorgetragen. Er hat sie auch auf der Homepage des Eduard-Knoll-Wohnzentrums veröffentlicht (www.ekwz.de/wir-über-uns/menschen). Dort sind auch Aquarelle von Eva Hinterthaler zu sehen, die ebenfalls im Eduard-Knoll-Wohnzentrum lebt.

Viele der Bewohner fahren jetzt nach Hause zu ihren Familien. Die Hälfte der Belegschaft arbeitet über Weihnachten, die andere an Silvester. Insgesamt hat die Einrichtung für Behinderte 120 Mitarbeiter, darunter Teilzeitkräfte, und 90 Bewohner. „Selbst wenn es hektisch wird, bin ich nicht genervt“, sagt der Geschäftsführer. Für Norman Weyrosta ist der 24. ein doppelter Festtag. Seine Tochter Lisa hat am 24. Dezember Geburtstag.

Die Bewohner, die im Heim bleiben, werden sich am heutigen Mittwoch zum Kaffeetrinken treffen, das der Heimbeirat veranstaltet. „Ich kenne das nicht anders als im Heim“, sagt der 39-jährige Steffen Vetter.

Quelle: Heilbronner Stimme, Henry Doll

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