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Beitrag vom 21.12.2020: Gans to go von Amos Ruwwe

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Schröder: Die jungen Leute, man, man, man, das Geschnattere so ein Lärm. Die schnattern den ganzen Tag. Ohne Ende. Dat ist nix fürn alten Mann.
Ältere Gänse: Jetzt hör‘ aber auf, Schroeder. Du bist doch gerne mit den jungen Gänsen zusammen. Nix fürn alten Mann, da können wir ja nur lachen!
Erzähler: schnattern die älteren Gänse um ihm darum
Schroeder sagt nichts. Sein langer Gänsehals wippt ein wenig nach vorne und wieder zurück, dabei schaut er den jungen Gänsen nach.
Dabei denkt er sich
Schröder: Jedes Jahr das gleiche Palaver, da kommen die jungen Dinger zu ihm auf den Hof, kaum hat man sich kennen gelernt, schwupp, kommt schon der große Wagen, weg sind sie wieder. Die Unruhe vorher und nachher, ne,ne, das ist nix für mich.
Junge Gänse: Schroeder, du weißt doch so viel. Kannst du uns sagen, was eine Weihnachtsgans ist?
Erzähler: Erwartungsvoll schauen ihn einige junge Gänse an. Schröder denkt
Schröder: Das wollt ihr nicht wirklich wissen
Erzähler: Schon vor vielen Jahren, hat er bei der Bäuerin gesehen und gehört, was Weihnachtsgänse sind. Als Lieblingsgans der Bäuerin durfte er oft mit ihr in die große, warme Bauerküche. Dort bekam er leckere Sachen zu essen, er hatte dort einen warmen Platz, in einem alten Hundekorb, gefüllt mit Stroh.
Bäuerin: Du bist unsere Weihnachtsgans Schroeder, du kommst nicht in den Ofen. Du bleibst für immer bei uns.
Erzähler: Das hat die Bäuerin damals lachend gesagt und ihm dabei den langen Hals freundlich gestreichelt. Dann hat sie einer Gans nach der anderen mit einem Beil den Kopf abgeschlagen, die Feder rausgerupft und an die Seite gelegt. Seither meidet er die warme Küche im Herbst.
Schröder: Weihnachtsgänse? Wie kommt ihr denn auf sowas?
Junge Gänse: Die Bäuerin sagt oft zu uns, na, ihr seid ja schöne Weihnachtsgänse, deshalb. Aber wir wissen nicht, weshalb wir schöne Weihnachtsgänse sind.
Schröder: Und jetzt?
Erzähler:
Er schnattert etwas vor sich hin, ruckelt mit seinem langen Hals ein bisschen hin und ein bisschen her, schließlich sagt er
Schröder: Die Menschen feiern im Winter Weihnachten. Weshalb weiß ich nicht. Dann schleppen sie meistens einen Tannenbaum in ihre Stube, schmücken den Baum mit glitzernden Dingen, schließlich stecken sie noch Kerzen drauf, zünden sie an. Manchmal singen sie noch ein bisschen, das ist Weihnachten.
Junge Gänse: Und die Weihnachtsgänse? Was ist mit den Weihnachtsgänsen?
Erzähler: ungeduldig schnattert das Jungvolk um Schroeder
Schröder: Ja, ja die Weihnachtsgänse, die kommen jetzt.
Wir Gänse sind besonders wachsam. Besser als ein Hund bewachen wir unsere Häuser. Irgendwann haben mal unsere Vorfahren so laut geschnattert, dass dadurch ein Unglück verhindert wurde, oder so etwas. Jedenfalls, Weihnachten danken die Menschen uns Gänse dafür. Manchmal bekommt eine Weihnachtsgans ein kleines Glöckchen oder ein schönes Tuch um den Hals, manchmal etwas Glitzerndes an den Federn und immer gut zu essen, gibt es natürlich auch. Ihr wisst schon, wenn der große Wagen kommt, sucht die Bäuerin die schönsten Gänse aus und schon seid ihr die Weihnachtgänse für die vielen Menschen, die sich jetzt schon auf euch freuen.
Junge Gänse: Das ist ja wunderbar. Ich kann es gar nicht abwarten. Ich werde bestimmt eine schöne Weihnachtsgans.
Erzähler: Sie schnattern so laut, sind so aufgeregt, keine denkt an Schroeder. Der geht langsam weg, sucht sich einen trockenen Platz, steckt den Kopf in seine Feder und denkt: Weihnachtsgänse, sach mal nix, gans und gar nicht.